Adventskalender Türchen 7: Warum nach A nicht zwangsläufig B kommt oder: wie wir aus erlernten Mustern aussteigen

Aussteigen aus Kindheitsmustern

 

Der kleine Maxi (Name verändert) war 2005 einer der ersten Kinder, die ich im Rahmen meiner Diplomarbeit psychologisch betreut habe. Ich habe noch genau den Klang der Stimme von Maxis Mutter im Ohr: „Du wolltest im Verein Fußball spielen. Jetzt wird nicht so einfach damit aufgehört, weil es mal Probleme gibt oder das Wetter nicht passt. Wer A sagt muss auch B sagen.“

 

Und wie Recht sie hatte. Mit diesem Satz sind viele von uns groß geworden. Dieser Satz hat unser Verhalten geprägt. Noch heute gibt es so viele Leute, die unglücklich sind mit ihrer früheren Wahl. Egal ob Partnerschaft, Beruf, Hobby, Freundschaft bis hin zu so einfachen Dingen wie die Auswahl was es heute zum Mittagessen geben soll. Einmal A gesagt und eine Wahl getroffen – muss man auch dabei bleiben. Koste es, was es wolle. Ob es eine gute Entscheidung war oder nicht. Ob man glücklich ist damit oder nicht.

 

Wenn man es so liest, denkt man: Quatsch, so bin ich doch nicht. Und doch begegnen mir in meinem Alltag so viele Menschen, die nach Manier von Maxis Mutter B-Sager geworden sind. B-Sagen macht träge im Kopf. Man stellt einmal getroffene Entscheidungen nicht in Frage. Und lebt dabei am Leben vorbei. Man ignoriert eigene Bedürfnisse. Verleugnet Wünsche. Verstellt sich. Klingt nicht so erstrebenswert, nicht wahr?

 

Wie wäre es, wenn wir uns trauen, A in Frage zu stellen. Vielleicht war es ja aus heutiger Sicht falsch, anzufangen, Trompete zu spielen. Hätte man vorher gewusst, wie es ist, hätte man es gelassen. Vielleicht war es ja falsch, tiefgefrorenen Fisch zu kaufen anstatt des frischen Fischs aus der Theke. Vielleicht war es ja falsch, Klaus zu heiraten. Vielleicht war es ja falsch, Erzieherin zu werden.

 

Dinge in Frage zu stellen, für die man sich einmal aktiv – und vielleicht sogar gegen die Empfehlung anderer Leute – entschieden hat, fällt schwer. Keine Frage. Es gibt aber eine ganz einfache Methode, um herauszufinden, was von A zu halten ist. Machen Sie sich eine gute alte „Plus-Minus-Liste“. Was spricht für A, was dagegen. Und wenn Sie ganz ehrlich zu sich sind, zeigt Ihnen diese Liste die Wahrheit. Und sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass A für Sie nicht mehr in Frage kommt, dann schneiden Sie den alten Zopf ab, pfeifen Sie auf B und überlegen Sie sich eine Alternative. Etwas, wofür Sie brennen. Was Sie begeistert. Was Ihnen gibt was Sie brauchen. Wo Sie glücklich sind.

 

Für Maxi war es damals übrigens Eishockey. Das lag ihm einfach viel besser als Fußball.

 

Und geben Sie nichts auf die Unken, die immer noch aus der Tiefe des Brunnens rufen: „Wer A sagt muss auch B sagen.“ und dabei selbst im Dunkeln unglücklich leben.

 

Viel Erfolg und Freude beim Entdecken des passenden A,

 

Ihre Julia Georgi

 

 

 

 

 

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