Adventskalender Türchen 11: Ich einfach unverbesserlich - und das sogar ohne Film

Ich - einfach unverbesserlich

 

Ich bin direkt. Ich schleiche nicht um den heißen Brei. Ich benenne die Dinge wie sie sind. Ich bin brandehrlich. Ich rede manchmal an Stellen, wo Schweigen wohl im Nachhinein die bessere Alternative gewesen wäre. Ich sage meine Meinung. Ich benutze das „Sch…wort“ wenn die Situation nun mal wirklich mit keinem anderen Wort besser zu beschreiben ist. Ich bin manchmal zu emotional, zu kompliziert, zu perfektionistisch. Ich mache Fehler. Ja – all das bin ich. Und dafür lieben mich meine Patienten.

 

Authentizität – also, der sein, der man ist, ohne sich zu verstellen, ohne eine Rolle zu spielen, ohne Maske – erfordert viel Mut, viel Selbstbewusstein. Es geht nicht um gemocht werden oder darum ein angepasstes, möglichst konfliktfreies Leben führen. Für mich ist Authentizität die Grundvoraussetzung, um mit Menschen arbeiten zu können – von Therapeut zu Patient, aber eben auch von Mensch zu Mensch. Ohne diese Echtheit, ohne für das Gegenüber einschätzbar zu sein, ohne dass das Gegenüber ein ehrliches Feedback bekommt, läuft keine Beratung, keine Therapie, noch nicht einmal eine Raucherentwöhnung.

 

Authentisch sein heißt aber nicht grob sein oder jemanden verletzen. Ich sage immer so schön: jemandem die Wahrheit in Liebe sagen.

 

Ein kleines Praxisbeispiel wieder zum Schluss, dieses Mal aus der Erzählung von einem früheren Ausbilder von mir. Er hatte eine Klientin, die ein für seine Nase furchtbares Parfum in großer Menge trug. Der Therapieraum stank danach, der Warteraum stank danach, ihm war schlecht, die nachfolgenden Leute machten ihn sogar auf den aufdringlichen Geruch aufmerksam. Was machte er in seiner authentischen Art: bei der nächsten Sitzung sprach er sie darauf an und erklärte ihr, dass sie ein großes Problem für ihn und die nachfolgenden Leute lösen würde, wenn sie das Parfum wegließe. Die Dame war irritiert, zunächst leicht gekränkt, aber noch viel später bedankte sie sich bei ihm und erklärte ihm, dass diese Sitzung für sie im Prozess enorm wichtig gewesen sei, weil sie dadurch erlebt habe, dass er als Therapeut zu ihr ganz ehrlich ist, dass die therapeutische Beziehung trägt und dass sie ihm wirklich vertrauen kann. Musterbeispiel würde ich sagen.

 

Nun sind die meisten von Ihnen ja wahrscheinlich keine Therapeuten, aber ich möchte Sie einladen: Probieren Sie es doch auch einmal aus und staunen Sie, wie gut es tut, ganz man selbst zu sein und wie sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen einen Gefallen tun können.

 

Viel Erfolg und Freude dabei, „Ehrl-ICH“ Sie selbst zu sein,

 

Ihre Julia Georgi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Elisabeth Flasch (Sonntag, 11 Dezember 2016 20:28)

    Dem ist nichts hinzuzufügen, so richtig und wichtig ist dieser Artikel!

    Liebe Frau Georgi, nur durch Ihre Hilfe und Ihre Autenzität ist es mir möglich geworden endlich so sein zu können wie ich bin - Es gibt wohl kein befreienderes Gefühl zu wissen, wer man wirklich ist! Schauspiel ist schön aber echtes Leben ist besser! Vielen Dank

  • #2

    Die Hypnose Praxis Julia Georgi (Sonntag, 11 Dezember 2016 21:06)

    @Elisabeth Flasch: Vielen Dank. Ich bin so stolz auf Sie und all das, was Sie erreicht haben. Es hat mir viel Freude gemacht, Ihren Weg zu begleiten. Ich wünsche Ihnen noch ganz viel ICH-ige echte Lebensmomente.

  • #3

    Blöchinger Rosi (Sonntag, 11 Dezember 2016 23:41)

    Liebe Julia! Es sind die J.P. Wege bzw. J.G. Wege die sich einem aufmachen durch Dich. Die sogenannten
    Pfad-Finder-Wege, die mich durch diese Authentizität im Leben einen riesen Schritt im Leben weiterkommen lies, jeder Weg der nicht immer gerade verlief ist wertvoller den je geworden....das
    Glück, klopft manchmal auf die Schulter.....vielen Dank;)

  • #4

    Julia Georgi Die Hypnose Praxis (Dienstag, 13 Dezember 2016 16:28)

    @Blöchinger Rosi: Sehr gerne, ich bin stolz, immer wieder Pfadfinder für meine Patienten zu sein. Denn jeder hat das, was er braucht um seine Probleme zu lösen, bereits in sich. Ich bin nur der Pfadfinder, der sich gemeinsam mit denen, die wirklich etwas verändern wollen, auf den Weg macht.