Adventskalender Türchen 13: Wie Sie Mücke werden - oder 10 Tipps wie Sie es schaffen Ihre Meinung zu sagen

Wie sage ich meine Meinung

 

Was kann ich schon bewirken? Was zählt meine Meinung dabei schon? Ich kann da sowieso nichts daran ändern. – Wer so denkt, verfällt in Starre, ins Nichtstun und Warten was passiert. Wer so denkt, wartet darauf, dass Andere etwas tun oder das Schicksal zuschlägt und sich dadurch etwas ändert. Wer so denkt bleibt passiv, liefert sich aus. Gefühle, die dazu passen sind Hilflosigkeit, Frustration, Ärger. Oft kommt stummer Protest wie Krankheit dazu.

 

Egal ob in der Politik, in der Familie oder in der Arbeit gilt jedoch der Grundsatz: jede Stimme zählt. Die Mücke macht es uns vor: sie ist winzig klein im Vergleich zu uns Menschen. Aber sie ist laut und deutlich. Sie fällt dadurch auf. Man kommt nicht umhin, sie zu bemerken. Sie bringt uns ins Reagieren. Sie werden jetzt vielleicht sagen: „Schon, aber das büßt sie meist mit ihrem Leben, weil sie uns so lästig ist, dass wir sie erschlagen.“ Ja, schon. Aber das geht mit uns Menschen in unserem Kulturkreis ja dann doch nicht so leicht. Oder kennen Sie Menschen aus Ihrem Umfeld, die erschlagen wurden, weil Sie Ihre Meinung gesagt haben? (Wie gesagt, ich spreche von Deutschland, im Hier und Jetzt).

 

Wo in Ihrem Leben würde es nicht schaden, ein bisschen mehr Mücke zu sein? Die Stimme zu erheben, laut die eigene Meinung zu sagen, dafür einzustehen, was man denkt, etwas einzufordern? Wem wollten Sie schon immer zeigen, wie Sie zu einer Sache stehen? In welchem Lebensbereich ist es am meisten notwendig, sich bemerkbar zu machen?

 

Jetzt ist aber nunmal nicht jeder dazu geboren, sich hinzustellen und laut zu sagen, was er denkt. Viele brauchen dazu Hilfestellung. Hier finden Sie zehn Tipps und Kniffe, wie es leichter fällt, klar zu sagen, was man denkt/braucht/will.

 

1.      Stellen Sie sich die Situation möglichst bildlich vor, bevor es losgeht. Malen Sie sich aus, was Sie sagen wollen und wie. Und malen Sie sich aus wie Ihr Gegenüber positiv reagiert. Ihr Hirn ist somit schon optimal auf Erfolg vorbereitet.

 

2.      Legen Sie dem „Grübeldrachen“ Zügel an. Kein „Und was ist, wenn es nicht funktioniert?“ Wenn Sie Grübeln, gehen Sie zurück zu Punkt eins und üben Sie weiter.

 

3.      Atmen Sie. Und zwar gut. So, dass die Luft auch bis in den Bauch kommt und nicht schon an den Schultern stecken bleibt. Eine ganz einfache Übung hilft dabei. Legen Sie die Hände auf Ihren Bauch. Atmen Sie ganz normal weiter, wie Sie es auch sonst tun würden. Nichts ändern. Zählen Sie nun jedes Ausatmen gedanklich mit. Also so: Sie atmen ein, atmen aus, denken sich 1. Sie atmen ein, atmen aus, denken sich 2. Das machen Sie so lange, bis Sie das Gefühl haben, ruhig zu sein und der Atem schön fließt, so dass sich die Hände auf dem Bauch mitbewegen bei jedem Atemzug. Falls Sie vergessen haben, wo Sie stehengeblieben sind mit dem Zählen, fangen Sie einfach wieder von vorne an.

 

4.      Nehmen Sie die richtige Körperhaltung ein: Bauch rein, Brust raus, Schultern zurück und runter. Machen Sie sich groß. Stehen/sitzen Sie gerade.

 

5.      Sorgen Sie für einen festen, sicheren Stand. Beide Beine auf dem Boden.

 

6.      Achten Sie auf eine offene, einladende Haltung: Verschränken Sie nicht die Arme, wenden Sie sich nicht vom Gegenüber ab

 

7.      Spielen Sie nicht mit den Händen, den Haaren, dem Kugelschreiber. All das wirkt nervös und unsicher.

 

8.      Schauen Sie dem Gegenüber in die Augen.

 

9.      Achten Sie auf Ihre Mimik: Weder Grinsen von Ohr zu Ohr noch Zornesfalten auf der Stirn bringen Sie weiter. Üben Sie einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck.

 

10.   Sprechen Sie ruhig und bestimmt, nicht leise-flüsternd, aber auch nicht übertrieben laut.

 

All dies braucht Übung. Am besten wenden Sie die Strategie erst einmal an einer Kleinigkeit an, die nicht gleich lebensverändernde Folgen nach sich zieht. Wenn Sie ein paar Erfolge in der Tasche haben, fällt es bestimmt bald leichter, Ihre Meinung zu sagen.

 

Viel Erfolg und Freude dabei, „Mücke“ zu sein,

 

Ihre Julia Georgi

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Iche (Mittwoch, 14 Dezember 2016 13:16)

    Sollte man sich wirklich vorher vorstellen, was der Gegenüber "positiv" von einem hält bzw.wir sollen denken,das der andere positiv reagieren wird?!
    Wow..was ist,wenn ich aber dann voll enttäuscht werde? Wenn ich meine Meinung vertreten wollen würde,dann gehe ich doch eher davon aus,das es dem anderen nicht passt,wie ich gerade auftrete..und ich bin dann weniger verletzlich,als wenn ich vorher dachte,es wird schon "gut gehen"..ich finde,es kommt auf die Beziehung an..wie wichtig ist mir diese Beziehung..Vielleicht kann ich mich auch im Nachhinein freuen,wenn ich es überhaupt mal geschafft habe,das zu sagen,was ich denke.

  • #2

    Julia Georgi Die Hypnose Praxis (Donnerstag, 15 Dezember 2016 18:13)

    @Iche: Die Idee zu üben, dass man erfolgreich ist und die Meinung beim Gegenüber ankommt, akzeptiert wird, gut aufgenommen wird basiert eben gerade nicht darauf, dass es "schon irgendwie gut gehen wird". Das was damit geübt werden soll ist ein absolut positives Bild. Ich trimme mein Unterbewusstsein darauf, mir alle Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, alle Ressourcen zu nutzen, um erfolgreich zu sein. Beispiel: Ich will abnehmen und weiß, am Abend ist Weihnachtsfeier mit Essen vom Buffet. Normalerweise würde ich über das Buffet herfallen und von allem etwas probieren wollen. Mein Teller: randvoll. Mein Magen: übervoll. Ich trainiere jetzt folgende Vorstellung: ich gehe zum Buffet, nehme mir einen kleinen Teller und wähle drei Speisen aus, von denen ich mir etwas gönne. Voller Genuss. Ich male mir aus, wie lecker es ist, wie ich jeden Bissen genieße. Und wie ich hinterher satt bin. Und wie ich am nächsten Tag auf die Waage steige. Mein Gewicht hat sich nicht nach oben verändert. Und ich male mir sogar noch aus, wie mich am nächsten Tag jemand anspricht und mir ein Kompliment bezüglich der bereits abgenommenen Kilos macht. So ist die Übung gedacht. Ob ich dann in der Realität vielleicht vier Speisen genommen habe und 0,1 kg mehr auf der Waage hatte spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass ich mich nicht nach dem alten Muster vollgestopft habe. In der Vorstellung sollte ich besser hoch- als tiefstapeln. Und zu Ihrem letzten Satz: ja, das ist ein guter Anfang, überhaupt erst mal gesagt haben, was man denkt. Dranbleiben. Denn die Leute, die damit nicht klar kommen, was man sagt, die sind eine Beziehung nicht wert.

  • #3

    Iche (Freitag, 16 Dezember 2016 02:16)

    Finde die Erklärung mit dem Gewicht und dem Essen gut. Aber soweit reicht meine Vorstellungskraft dann doch nicht aus. Einmal auf die Waage + und schon war das anstrengen umsonst.
    Ich schnippse mir mit einem Gummiband ans Handgelenk und das tut weh..Ja richtig weh, dann verbinde ich das als unangenehm und werde doch nicht nach diesem Gummi als Skill greifen,auch wenn er in der Anspannung vielleicht helfen würde!! Verstehen Sie was ich meine? Die Feuerwehr übt auch bevor es brennt, damit sich das verfestigt, das weiß ich.. Und dass das Gummi bei Stress auch weh tun soll,ist auch richtig um sich zu zentrieren..aber ich werde doch nicht automatisch dazu greifen,wenn mir mein Unterbewusstsein den negativen Schmerz bei der trocken Übung wieder hervor holt,oder???
    Ach egal..man muss nicht alles verstehen.

  • #4

    Julia Georgi Die Hypnose Praxis (Freitag, 16 Dezember 2016 21:17)

    @Iche: Ich glaube, dass man nicht Äpfel und Birnen vergleichen sollte. Das eine Thema ist, sich zu trauen, die eigene Meinung zu sagen. Das Andere sind Skills innerhalb der DBT (für alle Nicht-Fachleute: Dialektisch-Behaviorale Therapie). Das Steinchen im Schuh drückt auch und die Rasierklinge hinterlässt Narben. Und trotzdem tun es Viele. Es gibt eben positive Verstärkung positiver Erlebnisse (so wie ich es für das Alltags-Leben im Artikel erkläre) und auch Verstärkung negativer Ereignisse. Vielleicht können Sie ja mal die im Artikel genannte Übung an einer gefahrlosen Mini-Situation ausprobieren. Und dann gern über Erfahrungen damit berichten.